Reise-Eindrücke 2024 von Andrea und Michael Koehn
Wir landeten in Dar es Salaam (Arabisch: Dorf des Friedens) verspätet um 4 Uhr in der Frühe, bekamen von Samuels Bruder Ayoub unser Auto, tankten und fuhren dann über Mikumi nach Iringa. Beim Mikumi-Nationalpark muss man auf Wildwechsel achten: Affen (Baboons) oder Antilopen.
Nach zwei Reise-Nächten mit kaum Schlaf und einer gut 10-stündigen Autofahrt (Linksverkehr) freuten wir uns auf die erste "Durchschlafnacht". Wir übernachteten in einer Unterkunft, die hauptsächlich von "Behinderten" betrieben wird, seit mehr als 20 Jahren. In dieser Region gelten 10 Prozent der Menschen als behindert, eine der höchsten Quoten des ganzen Landes.
Weil wir aber immer noch nicht genug hatten von Tieren, fuhren wir von Iringa aus in den Ruaha Nationalpark (Die Giraffen auf dem Foto stehen NEBENeinander). Das ist der zweitgrößte Park in Tansania, hier sind v.a. Elefanten, Giraffen, Zebras und Flusspferde zu finden, daneben selbstverständlich Affen, Warzenschweine und diverse Antilopenarten. Da wir nicht am Morgen oder zur Nacht dort waren, sondern um die Mittageszeit, war unsere tierische Fotoausbeute recht gering.
Und dann eine Überraschung. Kurz hinter Iringa fanden wir Isimila, das "Kappadokien von Tansania", vor 300.000-400.000 Jahren durch Erosion entstanden. Bereits in der Steinzeit siedelten dort Menschen, Funde waren in einem kleinen Museum zu besichtigen.
Drei Tage später gegen Abend trafen wir in Lupila ein, wurden wieder "mit Pauken und Trompeten" begrüßt. Allerdings gab es eine gewisse Aufgeregtheit, weil der örtliche Chor am folgenden Tag an einem landesweiten Wettbewerb teilnehmen wollte.
Und so klingelte der Handywecker wieder um 5 Uhr, Waschen, Anziehen, Frühstücken (alles im Dunkeln oder mit Handy-Licht, weil der "staatliche" Strom gerade nicht lief). Und dann ging es um 6 Uhr los über Piste, Straße, wieder Piste nach Bulongwa, wo wir um 8:30 ankamen. Bei einem kleinen Frühstück trafen wir Bischof Sanga, der uns mit einer Umarmung willkommen hieß. Über das eigentliche Event -selbstverständlich vom Gottesdienst begleitete- kann man hier nachlesen.
Schlussendlich waren wir um 21 Uhr wieder zu Hause in Lupila.
Die erste Woche komplettierte der Gottesdienst am Sonntag in Lupila (3 Stunden), bei dem auch der Chor seine Vorführung wiederholen durfte. Der Nachmittag verlief mit Autowaschen, mit Organisatorischem, mit Aufräumen, Suche nach Strom und WLAN - und auch mit dem Sortieren von Fotos, Schreiben von Berichten und dem Newsletter. Da es doch recht kalt ist hier auf 2.500 m Höhe, mussten wir auch erst einmal wieder das Feuermachen (im Herd und im Kamin) üben.
Die Diakonie hat die Strom-Versorgung völlig umgebaut. Mit fünf Solarplatten vom Wedeler Rathaus, bisher sechs Batterien (es sollen mal 10 sein) werden nun sieben Gebäude versorgt. Wenn die Batterien leer sind, muss auf den "staatlichen" Strom -manuell- umgeschaltet werden
Am Montag besuchten wir die Primary School in Lupila. Headteacher Haji Bangu Iranga begrüßte uns freudig, hatten wir doch dafür gesorgt, dass eine Solarpaneele vom Wedeler Rathaus-Dach dort installiert werden konnte.
Dank Lupila Learns konnte die Paneele angeschlossen und verkabelt werden. So ist nun Unterricht und "freiwilliges" Lernen auch bei Dunkelheit möglich, es können Computer und Drucker betrieben werden -und einen Laptop, den wir ihm mitgebracht hatten.
Aktuell sind Ferien, von den 284 Schülern nur ca. 80 da, um sich gemeinsam auf die schwere Abschlussprüfung am Ende der siebenten Klassen vorzubereiten.
Nur die (landesweit) Besten können auf eine weiterführende Schule gehen. Und das entscheidet selbstverständlich über berufliche Chancen.
Das Msamaria-Haus ist nun -endlich!- als Waisenhaus vom Staat anerkannt! Das Hauptgebäude ist allen Vorschriften entsprechend umgestaltet. Anbau (Küche, Jungs-Toiletten und Lager) muss noch hergerichtet werden.
Auch Regenrinnen und eine Tank zum Auffangen des Wassers wären wünschenswert. Derzeit läuft der Regen direkt vom Dach – und in die Vorratsräume. Die Ausstattung der Zimmer ist unzureichend. Es fehlen (neue) Betten, Schränke, Regale und ein Schreibtisch für das Büro der Hausmutter Ambegyie.
Sie wolle eigentlich schon längst den wohlverdienten Ruhestand genießen – doch eine Nachfolge ist nicht in Sicht.
Und so muss sie weitermachen!
Nachmittags fuhren wir den kurzen Weg zur Secondary-School in Lupila. Hier wurden wir von unserem alten Freund Abukasa, dem Headmaster begrüßt und herumgeführt. In dem Jahr seit unserem letzten Besuch hat sich viel getan, alle Gebäude, die 2023 noch im Bau waren (Dormitories = Schlafsäle, Klassenzimmer) sind nun fertig.
Ein Computerraum wurde geschaffen, allerdings muss der noch eingerichtet werden. Die PCs, maßgeblich gesponsert von Lupila Learns, sind bereits dort, jetzt muss die Stromversorgung eingerichtet werden.
Station am Mittwoch war Malanduko. Wir wurden von Pastorin Gertruda und zahlreichen Honoratioren der Kirchengemeinde begrüßt. Nach einem Besuch der Kirche und des -sehr langsam immer weiter gebauten- Gemeindezentrums, übergaben wir als Zeichen der Freundschaft (in vier Jahren übernimmt Holm die Partnerschaft) eine Altarkerze mit dem Schriftzügen von Holm und Malanduko. Gleichzeitig dämpften wir aber (finanzielle) Erwartungen. Dennoch freuen sich beide Seiten, dass Malanduko wieder in Freundschaft mit einer Gemeinde in Deutschland verbunden sein wird.
Anschließend fuhren wir nach Ipepo, wo wir der Primary-School die Botschaft überbrachten, nun mit der Bugenhagen-Schule in Blankenese endlich eine Partnerschule zu haben. Die selbstgemachten Geschenke der Hamburger Kinder fanden Gefallen, das Konzept der Bugenhagenschule (Lerngruppen mit Kindern von 6-10 Jahren) fand man hier wohl eher befremdlich.
Die Kinder an der Schule können inzwischen im Sitzen essen - aber mangels Dininghall im Freien!
Die Ipepo Secondary School -mit einer drei Kilometer extrem schlechten Zufahrt- begrüßte uns mit einem Lied, der Text "We love Tanzania" in einigen Strophen umgedichtet wurde in "We love Michael" und "we love Andrea". Es gibt nun endlich etwas Material, einen Bauplatz und eine "Kommission" für den Bau eines neuen Dormitory. Endlich!
Nach einem kurzen Abstecher zur Krankenstation fuhren wir zum Haus des Pastors. Dort gab es eine kurze Begrüßung, eine Pause und dann -zum dritten Mal nach Primary- und Secondary-School eine warme Mahlzeit. Die Nacht verbrachten wir ebenfalls dort im Pastorat.
Nach dem Frühstück (Hühnersuppe, Kartoffeln, Tee) ging es über noch schlechtere Pisten nach Nkwenzulu (2. Frühstück; Hühnersuppe mit Ingwer, Kartoffeln, Yams, Brot) und dann nach Igolwa (Mittagessen: Huhn, Rindfleisch, Kartoffeln, Gemüse). Überall wurden lange Vorstellungsrunden hinter sich gebracht, Grüße ausgetauscht und Wünsche geäußert. Hier sahen wir auch Kinder mit selbstgebauten Rennautos (aus Plastikflaschen mit Deckeln als Räder). Und wir bekamen als Geschenk -wie immer hier- einen Hahn, der in Lupila im Garten angebunden war, bis wir ihn selbst als Gastgeschenk zu PASEP brachten (wo er Stammvater einer Hühnerhorde wird?).
In Igumbilu, der Partnergemeinde von Schulau, fielen uns vor Überraschung fast die Augen aus dem Kopf: Der Neubau der Kirche, die im vergangenen Jahr gerade knapp über den oberen Fenstern geendet hatte, ist fast fertig! Die Eröffnung soll bereits in zwei Monaten -Angang November- erfolgen. Diese Schnelligkeit ist vor allem Pastor Kumbuka zu verdanken, der es verstand, die Leute in seinem Ort zu begeistern für das Projekt – und täglich die Arbeiter auf der Baustelle antreibt. Diese leisten, soweit wir das beurteilen können, sehr gute Arbeit.
Der Besuch beim Health-Center in Lupila war eine Enttäuschung.
Nichts, was wir geliefert hatten, war in Benutzung. Auch der seit sechs oder sieben Jahren nicht genutzte OP (voll eingerichtet -mit eigener Stromversorgung- von USAID (wegen Trump gibt es hier KEINEN Link mehr!), muss nun komplett umgebaut werden, weil er den Anforderungen nicht entsprach??? - Was für eine Verschwendung von Geld, Manpower, Ressourcen und Zeit!
Jetzt sind wir seit zwei Tagen in Tandala, in der Diakonie zu Besuch – und zu Gesprächen. Gleichzeitig ist Waltraud (mit Tochter) angekommen, die hier 6 Jahre lang gearbeitet hat – von 1990 bis 1996, entsendet von der Diakonie in Neinstedt. So schließen sich Kreise. Der Wiederaufbau des alten, vor Jahren abgebrannten Missionshauses macht auch gute Fortschritte, die Firstwände sind nun wieder gemauert, der Dachstuhl aufgerichtet und das Dach gedeck. Auch innen sieht es "geordneter" aus.
Am Freitag, dem 13. besuchten wir gleich morgens um 8(!) den Kreisbürgermeister des Bezirk Makete, wurden dann vom Bischof zum Frühstück -und später auch zum Mittag- eingeladen und nahmen Abends die Einladung von dem ehemaligen Kreisbürgermeister und jetzigen Chef von Sumasesu, Egnation Mtawa, zum privaten Abendessen an. Auf dem Rückweg fuhren wir noch zum Tanken und kauften Bier, der erste Alkohol sein fast einer Woche!
Am Samstag ging es nach Bulongwa (der Ort des Chor-Event), um das Krankenhaus zu besichtigen und Probleme (vielleicht!) zu lösen: Wir hatten zwei komplette Zahnarztpraxen, eine nach Lupila und eine hierher geschickt. Leider ist bei den Röntgengeräten wohl einerseits etwas verwechselt worden bei den unterschiedlichen Systemen und andererseits wohl auch was verloren gegangen.
Wenn wir ehrlich sind, das Krankenhaus ist in einem entsetzlichen Zustand, wir möchten das hier gar nicht weiter ausführen. Nur soviel, auf der Entbindungsstation ist ein Beatmungsberät für Säuglinge, das (angeblich) noch aus dem zweiten Weltkrieg stammen soll.
Ursprünglich wollten wir dann 2 Urlaubstage in Matema verbringen, einem Ferienort am nördlichen Ufer des Nyassa-See (in Deutschland eher bekannt als Malawisee). Uns wurde eine Abkürzung (nur zwei Stunden!) empfohlen - und ein Fahrzeug mit Fahrer zur Verfügung gestellt. Um die Geschichte abzukürzen, nach sechs(!) Stunden meinte der Fahrer, es seien nun noch zwei Stunden zu fahren !
Nach vielen -auch telefonischen- Diskussionen kehrten wir um und führen von dort eine Stunde (mit unserem Wagen) nach Tandala, um in der Diakonie eine weitere Nacht zu verbringen. (Ursache schien uns zu seine, dass alle Beteiligten von anderen Dingen sprachen, wenn sie von "shortcut" redeten.)
In Ilungu gibt es ein ernstes Problem: 2017 wurde an einer Quelle eine Pumpe installiert, die Schule und Krankenstation mit frischen Trinkwasser versorgen sollte. Da die Pumpe, wie ich laienhaft annehme, zu klein dimensioniert war, um Wasser ständig ca. 400-500 Höhenmeter heraufzupumpen, ist sie seit 2019 kaputt. Seither müssen die Kinder jeden Morgen einen Eimer oder Kanister Wasser von zu Hause mitbringen. Und die Wege sind weit! Und sehr steil!
Ob auch die Kranken zur Behandlung Wasser mitbringen müssen? Keine Ahnung?
Am Sonntag mussten wir wieder einmal durch Baustellen fahren, um nach Matundu zu kommen. Leider zerfetzte in einer sehr engen Stelle ein sehr spitzer Stein unseren linken Hinterreifen völlig. Im Wagen gab es nur ein Notrad und die Kurbel für den Wagenheber. Den selbst leider nicht! Trotzdem kamen wir irgendwann mit viel Hilfe von vielen Menschen an.
Am Montagmorgen wurde der am späten Sonntag-Abend (mit dem Linienbus aus Njombe) gelieferte Reifen aufgezogen und wieder montiert.
In der Kirche von Matundu (Ortsteil von Ipepo) dann gab es die nächste Überraschung: wurde Michael gebeten, zu predigen -
Ups!
Panne und die Hilfe von vielen nahm er zum Anlass, um den Samariter aus der Bibel auf hier und heute, auf die Unterstützung auch der Waisenkinder zu beziehen. Wahrscheinlich nicht dadurch, sondern durch die Luftballon "eroberte" Michael wohl auch -sehr langsam und sukzessive- das Herz einer jungen Dame, die ihm kaum noch von der Seite weichen wollte.
Am Dienstag bei regnerischem Wetter und kühlen Temperaturen (auf 2.700 m über NN), besichtigten wir ein Wasserprojekt in Lumpombwe (und Iduda), welches die gesamte Gegend mit Trinkwasser versorgen wird. Seit 2021 laufen Planung, Bau und vor allem Bau der (unterirdischen) Wasserleitungen. Das Gros der Kosten hierfür (ca. ½ Million Euro) wurde von der Kirchengemeinde Blankenese aufgebracht!
Die Pastoren von Lupombwe und Iduda, Akim Mandela und Fema Ndelwa, baten uns, ihren Dank an Pastor Klaus Georg Poehls und die gesamte Kirchengemeinde zu übermitteln. In wenigen Tagen soll die Anlage von Bischof Sanga eingeweiht werden (wir wurden vom Bischof eingeladen, werden dann jedoch wohl nicht mehr hier sein). Dann müssen die Frauen nicht mehr das Wasser Kanister-weise mühsam auf dem Kopf weiteste Strecken die Berge herauftragen.
Bei PASEP wurden wir -wieder, wie schon im vergangenen Jahr- mit Musik begrüßt. Viel Musik. Von der Dorfband aus Kijombe, vom Pasep-Chor, von den dortigen Studenten, von allen zusammen, von einigen gemeinsam
Pasep wurde vor drei Jahren von einem leitenden Mitarbeiter – und ehemaligem "Waisenkind" von Sigi Kurzewitz aus Lurup- gegründet: Ayoub Lwilla. Hier soll gestrauchelten Jugendlichen wieder Halt und Struktur gegeben werden - und sie werden auch neuere Methoden der Landwirtschaft herangeführt.
Das Angebot gilt zwischenzeitlich auch für junge Leute aus den umliegenden Dörfern, der gute Ruf eilt voraus, von immer weiter kommen Jugendliche, um hier die Grundlage für einträgliche Landwirtschaft zu erlernen und so die Basis für eigenes, nachhaltiges Einkommen zu legen.
Uns wurde -auch als Geber von sehr geringen Geldbeträgen, aber vor allem als "Verlinker" zwischen zahlreichen Akteuren- die Ehre dieses Empfanges zuteil
Und dann kam der Tag, als wir uns (erst einmal) aus Lupila verabschiedeten. Leider war das ein sehr einsamer, trauriger Abschied. Der Schwiegervater von Samuel war gestorben und alle fuhren am Donnerstag nach Morogoro zur Beerdigung: Samuel, Fahidi, Enock, '&133; So wurden wir "nur" von dem neuen und fähigen (und jetzt woanders tätigen) Diakon Edson und seinem (ebenfalls netten und fähigen) Assistenten Johannes verabschiedet.
Wenn Sie mehr über unseren weiteren Fahrt wissen möchten, schreiben Sie und eine wir werden Ihnen dann gerne unsere damaligen Newsletter (noch sechs Stück) zukommen lassen.